Bildung braucht Haltung
21.07.2026GesamtschulePolitik und Gesellschaft
Anlässlich ihres 125-jährigen Jubiläums lud die Wilhelm-Löhe-Schule am 20. Juli zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Bildung braucht Haltung – Welchen Beitrag leisten evangelische Schulen?“ ein. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Kirche und der Schulgemeinschaft diskutierten darüber, welche Orientierung Bildung heute braucht und welche Verantwortung Schulen in einer sich wandelnden Gesellschaft tragen.
Nach der Begrüßung durch Dekan Dirk Wessel moderierte Journalist und BR-/ARD-Reporter Daniel Peter das Podiumsgespräch mit Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König, Prof. Dr. Dr. h.c. Annette Scheunpflug von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern sowie der Löhe-Schülerin und Stufensprecherin Lena Heyne.
Schule stärkt Demokratie und Gemeinschaft
Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Beitrag Schulen zur Persönlichkeitsbildung und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten können. Deutlich wurde: Bildung bedeutet mehr als die Vermittlung von Wissen. Sie braucht Orientierung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Oberbürgermeister Marcus König bezeichnete Schulen als wichtige „Bollwerke der Demokratie“. Sie müssten klare Haltung gegen Antisemitismus, Rassismus sowie jede Form der Verletzung von Menschenwürde und Menschenrechten zeigen. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, Lehrkräften den Rücken zu stärken und kirchliche Schulen als wichtigen Teil der Bildungslandschaft verlässlich zu unterstützen.
Annette Scheunpflug hob die Bedeutung gut ausgebildeter Lehrkräfte hervor. Neben ihrer fachlichen Qualifikation spiele auch ihre persönliche Haltung eine entscheidende Rolle. Damit Schulen ihren Bildungsauftrag erfüllen können, brauche es zudem starke Schulleitungen und engagierte Schulträger.
Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern betonte, dass Wertebildung eine gemeinsame Aufgabe von Schule, Kirche und Gesellschaft sei. Gemeinsam gelte es, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu mündigen und verantwortungsbewussten Menschen zu begleiten.
Lena Heyne brachte die Perspektive der Schülerinnen und Schüler ein. Sie erzählte, was die Wilhelm-Löhe-Schule für sie ausmacht: dass hier nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern Werte im Schulalltag gelebt werden. Dazu gehören für sie beispielsweise gemeinsame Gottesdienste, der respektvolle Umgang miteinander, Rücksichtnahme und Toleranz. Die Schule schaffe so einen Raum, in dem junge Menschen Verantwortung übernehmen und als Gemeinschaft zusammenwachsen können.
Wilhelm Löhes Erbe und seine Bedeutung heute
Im Anschluss beleuchtete Pfarrer Prof. Dr. Hansjörg Biener in seinem Impulsvortrag Wilhelm Löhes Schulzeit in Nürnberg. Er zeigte auf, wie prägend Löhes eigene Bildungserfahrungen waren und warum die Frage nach einer Bildung, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt, bis heute aktuell ist.
Das anschließende Interview mit Gesamtschulleiter, Pfarrer Mark Meinhard, richtete den Blick auf die Wilhelm-Löhe-Schule selbst. Der Leitende Direktor gab Einblicke in das Profil der Schule und zeigte auf, wie sich der Anspruch einer ganzheitlichen Bildung im Schulalltag widerspiegelt.
Die Veranstaltung zeigte: Bildung braucht mehr als fachliches Wissen. Sie braucht Orientierung, Begegnung und Räume, in denen junge Menschen Verantwortung übernehmen können. Gerade angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen bleibt die Frage nach der Haltung, die Bildung prägt, von großer Bedeutung. Das 125-jährige Jubiläum der Wilhelm-Löhe-Schule bot dabei Anlass, auf die eigenen Wurzeln zurückzublicken und zugleich den Blick nach vorn zu richten. Beim anschließenden Stehempfang unter der Linde wurden die Gespräche in persönlicher Atmosphäre fortgesetzt.