Die Wilhelm-Löhe-Schule im 21. Jahrhundert
29.04.2026GesamtschuleJubiläum
Mit dem Bezug des Neubaus 1980 setzte die Wilhelm-Löhe-Schule die Entwicklungen fort, die in den 1970er Jahren begonnen hatten – die Öffnung zur Koedukation, die Einführung der Fachoberschule und die Idee einer kooperativen Gesamtschule.
Der Neubau auf der Deutschherrnwiese bot Raum für 1.500 Schüler*innen – zumindest auf dem Papier. Schon bald zeigte sich, dass die Schule schneller wuchs als erwartet. Räume wurden geteilt, umfunktioniert, neu gedacht. Auch das Beratungszentrum musste mehrfach umziehen, bevor es 1990 seinen Platz im ehemaligen Hortgebäude fand.
Gleichzeitig veränderte sich das Verständnis von Schule: Eltern benötigten zunehmend verlässliche Betreuung am Nachmittag. So entstand die Hausaufgabenbetreuung – zunächst ganz klein, aber wegweisend für die kommenden Jahrzehnte.
Die räumliche Entwicklung hielt mit diesem Wandel Schritt. Mit dem Erweiterungsbau in den Jahren 2006 und 2007 entstanden dringend benötigte zusätzliche Unterrichts-, Betreuungs- und Mensaräume. Die Schule wurde größer, vielfältiger, lebendiger. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch den 2004 gegründeten „Förderverein für Schulsozialarbeit“, der neue Projekte, insbesondere den Ausbau der Nachmittagsbetreuung, ermöglichte. Vieles, was heute selbstverständlich erscheint, nahm hier seinen Anfang.
Moderne Lernräume
Auch die Unterrichtsräume wurden in den vergangenen Jahren grundlegend modernisiert. Zwischen 2012 und 2014 wurden die naturwissenschaftlichen Fachräume vollständig erneuert. Bis heute bieten sie – technisch auf der Höhe der Zeit und schulartübergreifend nutzbar – sehr gute Voraussetzungen für experimentelles Arbeiten.
Kurz darauf folgten die Bereiche Hauswirtschaft und Technik. Neue Küchen, moderne Werkstätten und ein neuer Mensabereich entstanden, der auf Basis von Konzepten aus dem Schulparlament umgestaltet wurde. Damit zeigt sich ein Wandel hin zu einer Schule, die nicht mehr nur für, sondern zunehmend gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt wird.
Schließlich wurden die vier Turnhallen grundlegend saniert und konnten 2017 eingeweiht werden. Zum Zeitpunkt der Einweihung waren sie die modernste Turnhallenanlage in Nürnberg. Ein Kraftraum und eine neue Kletterwand ergänzen das ohnehin schon große Angebot.
Auch das äußere Erscheinungsbild der Schule hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Neue Sitzmöglichkeiten, Bewegungsflächen sowie neu gestaltete Innen- und Außenbereiche berücksichtigen den Ansatz, dass eine gute Schule sowohl Orte des Lernens als auch Orte der Begegnung braucht. Hinzu kamen zahlreiche kleinere Projekte, die den Schulalltag nachhaltig veränderten: neue Lern- und Aufenthaltsbereiche, zusätzliche Räume für den Offenen Ganztag, moderne Fachräume sowie Maßnahmen zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Schulgeländes.
Digitalisierung
Digitale Unterrichtssysteme, WLAN und eine leistungsfähige IT-Infrastruktur gehören heute selbstverständlich zum Schulalltag. Während der coronabedingten Schulschließungen zeigte sich, dass die Wilhelm-Löhe-Schule dank ihrer Lernplattform und technischen Ausstattung vergleichsweise gut auf den Distanzunterricht vorbereitet war. Aktuell betreut die schuleigene IT-Abteilung rund 2.000 Endgeräte.
Schule als Lebensraum
Die Wilhelm-Löhe-Schule ist heute weit mehr als ein Ort des Unterrichts. Insbesondere der Bereich des Wahlunterrichts hat sich stark entwickelt. Angebote in Kunst, darstellendem Spiel, Sport und Musik wurden bewusst ausgebaut und stetig erweitert. Dass dabei einmal über 1.600 teilnehmende Schülerinnen und Schüler erreicht werden würden, war zu Beginn nicht absehbar. Dieser notenfreie, teilschulartübergreifende und freiwillige Unterricht am Nachmittag prägt die Schule bis heute entscheidend. So entstand Schritt für Schritt ein Schulhaus, das bis in den frühen Abend hinein genutzt wird – ein Ort, an dem Projekte wachsen, Gruppen proben und Gemeinschaft entsteht.
Vielfalt und evangelisches Profil
2014 fiel eine Entscheidung, die die Schule nachhaltig prägen sollte: Das Taufkriterium für die Aufnahme wurde abgeschafft. Die Wilhelm-Löhe-Schule öffnete sich, und seither spiegelt die Schülerschaft die gesellschaftliche Vielfalt deutlich stärker wider. Zugleich bleibt das evangelische Profil tragend für diese neue Offenheit. In der Musik, in den Andachten, Morgenimpulsen, Gottesdiensten sowie in unterschiedlichsten Projekten, beispielsweise über die Gemeinschaft in den Nagelkreuzzentren, begegnen die Schüler*innen einer christlichen Grundhaltung, die wegweisend für ihr weiteres Leben sein kann. In diesem Sinne nimmt die WLS die Aufgabe einer „inneren Mission“, wie in ihren Gründungsjahren, weiterhin intensiv wahr.
Kontinuität im Wandel
Die junge Generation von Lehrkräften, die 1980 mit in das neue Gebäude einzog, ist inzwischen größtenteils im Ruhestand. Nachdem die Möglichkeit entfiel, ein Kirchenbeamtenverhältnis einzugehen, hat eine neue Generation die Verantwortung übernommen. Sie gestaltet neu und bewahrt zugleich die gewachsene Tradition, Atmosphäre und den hohen Qualitätsanspruch.
Die Wilhelm-Löhe-Schule hat sich seit 1980 kontinuierlich verändert – räumlich, organisatorisch und pädagogisch. Sie wird sich auch in Zukunft weiterentwickeln. Zugleich bleibt sie ein Ort, an dem Lernen, Leben und Gemeinschaft auf der Grundlage eines gelebten Glaubens intensiv miteinander verbunden sind – im Bewusstsein ihrer Geschichte und mit Blick auf die Zukunft.