Backsteinmauer mit Büste und Inschrift „Wilhelm Löhe Schule“, umgeben von Grünpflanzen.
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Die Wilhelm-Löhe-Schule im Nationalsozialismus

29.04.2026GesamtschuleJubiläum

Im ersten Teil unserer Artikelserie zum 125. Jubiläum der Wilhelm-Löhe-Schule haben wir die Gründungsgeschichte beleuchtet. Im vorliegenden zweiten Teil richten wir den Blick auf eine der dunkelsten Phasen der Schulgeschichte: die Jahre des Nationalsozialismus. Diese Zeit war geprägt von wachsendem Druck, systematischer Benachteiligung und mündete schließlich in der Schließung der Schule.

Die „schleichende Aushöhlung“ ab 1933

Es war keineswegs so, dass die Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 unmittelbar zur Schließung der Wilhelm-Löhe-Schule führte. Doch schon früh wurde deutlich, dass kirchliche Bildung – insbesondere die höhere Mädchenbildung – im nationalsozialistischen Weltbild keinen Platz hatte. Adolf Hitlers Aussage, „das Ziel der weiblichen Erziehung habe unverrückbar die kommende Mutter zu sein“, unterstrich die ideologische Grundlage, auf der sich die Ausgrenzung kirchlicher Schulen vollzog.

Nicht mit einem Schlag, sondern zunächst schrittweise setzte das Regime auf eine „schleichende Aushöhlung“ des kirchlichen Schulwesens. Bereits 1934 kam es zu ersten konkreten Eingriffen: In einer Sonderprüfung vor Beauftragten des Nationalsozialistischen Lehrerbundes wurde nur acht Abiturientinnen der Wilhelm-Löhe-Schule die Hochschulreife zuerkannt. In der Folge sah sich der Schulverein gezwungen, sich freiwillig gleichzustellen – ein erster Einschnitt in die schulische Autonomie.

Gezielte Maßnahmen gegen kirchliche Schulen

Ab 1936 nahm der Druck auf kirchliche Schulen deutlich zu. Die systematische Schwächung erfolgte nun gezielt über bürokratische und finanzielle Maßnahmen. Staatliche Zuschüsse wurden gekürzt, was die wirtschaftliche Grundlage der Schule zunehmend schwächte. Besonders gravierend wirkte sich der Erlass des Reichsinnenministers vom September 1937 aus. Darin hieß es, es „vertra­ge sich nicht mit den Pflichten eines nationalsozialistischen Beamten, wenn er seine Kinder ohne zwingenden Grund einer privaten Schule zuführt“. Diese Vorgabe hatte massive Auswirkungen auf die Wilhelm-Löhe-Schule. Die Schülerinnenzahl sank innerhalb weniger Jahre dramatisch – von rund 1.150 Schülerinnen im Schuljahr 1936/37 auf etwa 200 im Schuljahr 1939/40. Auch das Kollegium war betroffen, zahlreiche Lehrerinnen verließen die Schule oder konnten nicht ersetzt werden. In den Lehrer- und Schülerlisten der letzten Jahrgänge finden sich dennoch Namen, die bis heute vertraut klingen, darunter Dietzfelbinger, Ebner von Eschenbach sowie ehemalige Kolleginnen wie Erika Behr, Gudrun Wenz oder Brunhilde Maier.

Die vielfältigen Bemühungen der Landeskirche, das kirchliche Schulwesen zu erhalten – etwa durch Verweise auf bestehende Staatsverträge oder durch Willfährigkeit – schlugen fehl. Das Staatsministerium erklärte schließlich, es sehe sich nicht in der Lage, die Wilhelm-Löhe-Schule als „erwünscht oder notwendig“ anzuerkennen.

Verkauf und Schließung der Schule

Die Folgen dieser Entwicklung waren unumkehrbar. Bereits 1938 musste die Zeltnerschule an die Stadt Nürnberg verkauft werden, was die Situation der Wilhelm-Löhe-Schule zusätzlich verschärfte. Auch die zentral gestellten Abschlussprüfungen 1939 der fünften Klasse verdeutlichen, dass kirchliche Privatschulen keine inhaltliche Freiheit mehr besaßen; die Vorgaben des Regimes bestimmten inzwischen den Unterrichtsalltag bis ins Detail. In den letzten beiden Schuljahren 1938/39 und 1939/40 wurde endgültig klar, dass der Fortbestand der Schule nicht mehr zu sichern war. Im letzten Schuljahrgang legten nur noch neun Schülerinnen die Reifeprüfung ab, ein eindrückliches Zeichen der dramatischen Einschnitte der vergangenen Jahre.

Am 8. Februar 1940 wurde schließlich auch die Schule in der Rollnerstraße geschlossen. Bei der Feierstunde zum Schlussakt am 14. März 1940 fand die Vertreterin des Lehrerinnenkollegiums, Fräulein Luise von Raumer, trotz der Schwere des Moments hoffnungsvolle Worte: „Vielleicht schenkt es dann Gott unserem lieben Volke, dass unsere evangelische Schule wiederaufsteht, sei es auch erst dann, wenn Er das gewirkt hat, was Menschen nicht wirken können.“ Sieben Jahre sollten vergehen, bis ihre Hoffnung in Erfüllung ging.

Dies markierte jedoch nicht das Ende der Wilhelm-Löhe-Schule, sondern leitete ihren Neuanfang ein.