Hoffnung auf Gleichberechtigung, Freiheit und Toleranz
26.06.2026BeratungszentrumRealschulePolitik und Gesellschaft
Die Geschichte eines Transjungen an der Wilhelm-Löhe-Schule
Das Aufwachsen in einem konservativen Ort außerhalb der Stadt ließ nie viel Platz, um sich selbst zu entdecken. Trotzdem war da immer dieses Gefühl, dass da noch mehr ist. Vor meinem zwölften Lebensjahr hatte ich noch nie von dem Wort „schwul“ gehört, ein Zeichen dafür, wie wenig in meinem recht streng christlichen Umfeld über solche Themen gesprochen wurde. Der Wechsel auf die Wilhelm-Löhe-Schule war ebenfalls mit vielen Sorgen verbunden. Gedanken, die mich langsam dazu brachten, den Teil von mir zu verstecken, der wirklich „ich“ bin.
Es dauerte lange, bis ich diesen Teil von mir endlich finden und akzeptieren konnte. Viele queere Personen werden verstehen, wenn ich sage, „sich zu outen, war das Gruseligste, was ich je getan habe“. Aber trotz der Angst ist es das wert. Ich erinnere mich nur zu gut an die Worte meiner Mutter, als ich mich zuerst als non-binär und lesbisch geoutet habe. Ihre Worte, „Das habe ich mir schon gedacht“, werden für mich immer für Liebe und Akzeptanz stehen. Ich nenne es Mutter-Magie. Sie wissen es einfach.
Sich outen zu können, ist leider nicht selbstverständlich. Ob es die Gesellschaft oder die eigene Familie ist, die Risiken sind von Person zu Person anders. Nachdem ich mich geoutet hatte, kam die Freiheit wie von selbst. Das erste Mal in meinem Leben konnte ich sagen „Das bin ich“ und stolz darauf sein. Jedoch dachte ich immer wieder an all die Menschen, die das nicht sagen können. Die Menschen, die noch in Zweifeln und Ängsten festhängen. Ich wollte das ändern.
Die Chance, etwas zu tun, kam schnell, nachdem ich mich das zweite Mal geoutet hatte. Dieses Mal als Transgender mit neuem Namen und neuem Pronomen. Anscheinend hatte ich mit meiner etwas tragischeren Geschichte etwas losgetreten, denn kurz nach meinem Outing sprach mich Herr Rösler, Mitarbeiter im Beratungszentrum, an und fragte mich, ob ich Interesse hätte, als Mitglied der Präventionsgruppe der Schule zu helfen, sie offener, inklusiver und frei von Diskriminierung zu gestalten. Ein kleiner Traum ging damit in Erfüllung.
In jüngeren Jahren meines Lebens hätte ich jemanden gebraucht, der mich ansieht und sagt: „Es ist ok. Was du fühlst, ist nicht schlimm. Es wird besser“. Und nun habe ich die Möglichkeit, diese Person für jemanden zu sein. Angst ist eine starke und unheimliche Emotion, die Menschen dazu bringt, sich zu verstellen und sich selbst zu verstecken. Aber genau wie eine Schulkarriere ist Angst vorübergehend.
Es dauert lange, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, und vor allem stolz auf die Identität zu sein, die man sich erkämpfen musste. Wenn junge queere Leute das hier gerade lesen, möchte ich eines sagen: „Du bist nicht allein, auch wenn es oft so scheint. Du wirst es schaffen und du wirst Teil einer wunderschönen Community sein. Gib niemals auf!“
Und an die Eltern von queeren Kindern: „Seid für eure Kinder da und akzeptiert sie so, wie sie sind. Das ist das Größte, was ihr für sie tun könnt.“
Hass ist oft ein Resultat von Angst. Angst vor Veränderung oder dem Unbekannten. Angst ist ein starkes Gefühl, aber sie muss uns nicht kontrollieren. Liebe wird immer stärker sein als Hass.
Die Wilhelm-Löhe-Schule hat einen wichtigen Schritt getan, um Gleichberechtigung für alle Schüler-/innen zu erreichen. Also lasst uns zusammenhelfen, allen Menschen das Gefühl von Sicherheit und Akzeptanz zu geben, unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe, Religion oder Beeinträchtigung.
Vielen Dank fürs Lesen und ein ganz großes Dankeschön an das Präventionsteam und alle, die das hier möglich gemacht haben.
-Luke.Kagan