Wiedereröffnung nach dem 2. Weltkrieg
29.04.2026GesamtschuleJubiläum
Mit unserer Jubiläumsserie blicken wir auf die bewegte Geschichte der Wilhelm-Löhe-Schule zurück. Nach der Schulgründung und ihrer erzwungenen Schließung in der Zeit des Nationalsozialismus beginnt nun ein neues Kapitel: die Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen Ruinen, Materialmangel und gesellschaftlicher Not entsteht ab 1947 wieder schulisches Leben – getragen vom Glauben, von Mut und dem festen Willen zum Neuanfang.
Mit Schreiben vom 29. Juli 1947 genehmigte das Bayerische Kultusministerium die Wiederaufnahme des Schulbetriebs. Darin heißt es:
„Die Evang.-Lutherische Gesamtkirchengemeinde in Nürnberg ist auf Grund der ihr früher erteilten Genehmigung…berechtigt, die von der nationalsozialistischen Regierung rechtswidrig geschlossene Schule unter den früheren Auflagen weiterzuführen…“
Zugleich galten strenge Vorgaben der Nachkriegszeit:
„Der Name des Leiters und der übrigen Lehrkräfte sind der örtlichen Militärregierung…nach dem Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus anzuzeigen…“
Und auch die Gebäude rückten in den Blick:
„Auch ist zu beachten, …in welcher baulichen Beschaffenheit die Schulräume sich befinden.“
Tatsächlich war der bauliche Zustand der beiden Schulen eines der größten Probleme der Wiedereröffnung, waren doch die Zeltnerschule teilweise und die Schule in der Rollnerstrasse durch Fliegerangriffe fast völlig zerstört. Einige Räume konnten jedoch provisorisch wieder in Stand gesetzt werden.
Generell war die Wiedereröffnung mit einem erheblichen Strukturwandel verbunden. So „verschwand die Tracht der Diakonissen fast gänzlich aus dem Schuleben“. Die Schulträgerschaft ging von den Neuendettelsauer Schwestern auf die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Nürnberg über. Damit war nun auch erstmals eine männliche Schulleitung möglich geworden: Kirchenrat H. Galsterer übernahm diese Aufgabe.
Das erste Schuljahr 1947/48
Trotz aller Schwierigkeiten begann der Unterricht erstaunlich schnell wieder. Schulleiter H. Galsterer berichtete an das Kultusministerium:
„Es wurden zunächst 4 erste, 2 zweite und 2 dritte Klassen gebildet. Die ersten Klassen zählten 50, 49, 45 und 47 Schülerinnen … Nur an zwei Tagen musste der Unterricht infolge baulicher Tätigkeit unterbrochen werden.“
Die Klassen waren groß, die Bedingungen schwierig, und dennoch herrschte Aufbruchsstimmung. Im Bericht heißt es weiter:
„Im Unterricht wurde der Nachdruck auf geistige und charakterliche Bildung gelegt … auf Zucht und Ordnung wurde ernsthaft gesehen.“
Zugleich spiegelte sich die Not der Nachkriegsjahre im Schulalltag wider:
„Die Schülerinnen stammen aus verschiedenen Gesellschaftskreisen und -schichten. Nicht wenige kommen aus misslichen häuslichen Verhältnissen; es fehlt der Vater, die Mutter hat wirtschaftlich schwer zu kämpfen …“
Auch an Lernmitteln mangelte es:
„Das Fehlen von Lehrbüchern und der Mangel an Heften waren eine nicht geringe Erschwerung des Unterrichtsbetriebes.“
Diese Zeilen zeigen eindrucksvoll, unter welchen Bedingungen Schule in der Nachkriegszeit stattfinden musste und wie groß zugleich der Wunsch nach Normalität war.
Wachstum und neue Perspektiven
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Wilhelm-Löhe-Schule sehr erfolgreich. Die Zahl der Schülerinnen stieg von 342 im Jahr 1947 auf rund 1.200 im Jahr 1950 und erreichte Mitte der 50er Jahre etwa 1.550 Schülerinnen.
Dies hing auch mit dem Ausbau des schulischen Angebots zusammen: 1949 erhielt die Schule die staatliche Genehmigung für eine private Volksschule und eine Mittelschule. 1957 kam mit der Realschule eine weitere Schulart hinzu.
Das Gymnasium gewann ebenfalls rasch wieder an Bedeutung. Im Schuljahr 1952/53 wurde erstmals nach dem Krieg wieder eine Reifeprüfung durchgeführt: 23 Schülerinnen nahmen teil, 21 bestanden. Im folgenden Schuljahr unterzogen sich bereits 104 von 105 Kandidatinnen erfolgreich der Reifeprüfung.
Ein Fundament für die Zukunft
Aus Trümmern entstand innerhalb weniger Jahre erneut eine starke und wachsende Schulgemeinschaft. Die Wiedereröffnung der Wilhelm-Löhe-Schule war damit weit mehr als ein Neuanfang. Sie markierte den Beginn eines neuen Kapitels auf dem Weg hin zu der Schule, wie wir sie heute kennen.